© 2019 MEMORIES for FAMILIES

Familiär. Stark. Nachdenklich. Glücklich. Furchtlos.

16.05.2018

 

© Fotograf - Elisabeth Töpfer von Berlizzima Photography

 

Familiär. 

 

Mein erster Einsatz für Memories for Families stand bevor. Ostersamstag 2018.

 

Mein Weg führt mich nördlich außerhalb Berlins. Am Bahnhof empfängt mich Mareen, eine hübsche junge Frau, Mitte 30. Ich steige in den Golf ein, sie lächelt. Wenn auch verhalten, ich verstand schon. Ihre Liebe des Lebens hat Magenkrebs, er hat bereits metastasiert. Niemand weiß, wie lange die gemeinsame Zeit noch dauert. Bis jetzt fühlte sich für mich alles recht normal an. Aber innerlich wusste ich, dass dieser Einsatz kein leichter sein wird. 

 

Mareen parkte vor einem älteren Haus. Ihr gemeinsames Haus. Ihr ganzer Stolz. Neben ihrem gemeinsamen Sohn, zwei Jahre alt. Kaum zur Haustür hineingekommen, sah ich, wie wunderschön es von innen ist. Ein großartig gebohnerter Dielenboden, eine Buchentreppe, ausgiebige Landhauseinflüsse. Ein Marteria-Plakat. Ich schritt die Treppe zum Wohnbereich hinauf und bekam mit, dass sich auch die Eltern von Mareen im Hause befanden. Sie unterstützten die Familie bei den täglichen Aufgaben und besuchten die drei so oft es geht, jetzt ist schließlich Ostern. Sie möchten das Fest gemeinsam feiern. 

 

Stark. 

 

Ich blickte um die Ecke und sah Marcel, auf seinem Schoß sein kleiner Sohn. Gemeinsam schauten sie ein Kinderbuch an. Der kleine Junge genoss die Aufmerksamkeit von Papa. Aber irgendwie schien ich ihn wenige Sekunden später in den Bann gezogen zu haben, denn plötzlich hatte er nur noch Augen für mich. Kleiner Charmeur, was für ein süßer Fratz. Diese kleinen Momente haben mich kurz vergessen lassen, dass dies kein normaler Auftrag war. Ich blickte in Marcels Augen, als ich mich vorstellte. Es braucht nicht viele Worte, um zu erkennen, dass er kämpfen muss.

 

Nachdenklich. 

 

Das ganze Shooting fand als Homestory im Haus statt. In ihrem Haus. Sie haben sich gemeinsam diesen Traum erfüllt. Voller Stolz erzählt Mareen „Ich habe mir etwas gewünscht, er hat es wahrgemacht“. Ja, Marcel ist Zimmermann und offenbar ein Traumerfüller. Noch vor seiner Diagnose haben sie als gemeinsames Team an dem Aus- und Umbau ihrer Immobilie gefeilt. Ihre gesamte Liebe und die volle Kraft reingesteckt. Jede Ecke des Hauses zeugt von seiner Handwerkskunst, ganz stolz, aber auch sehr nachdenklich sagt er: „Kurz nach der Diagnose habe ich noch den Dachstuhl gefertigt. Das Dach war schließlich noch offen.“ Im Anschluss hat er mich gebeten für ein paar Aufnahmen auch mit auf den Dachboden zu steigen. 

 

Glücklich. 

 

Dort oben strahlte die Sonne nach der Öffnung des Dachfensters das helle Holz des Raumes an. Es roch noch nach frischem Holz. Buche, vermute ich. Der kleine Raum strahlte voller Wärme und Gemütlichkeit. Das in den Boden gelassene Bett war so weich, dass man kaum darauf knien konnte. Was gibt es besseres für einen 2-jährigen Jungen als so eine kleine Hüpfburg im eigenen Haus? Marcel genoss den Anblick seines glücklichen Sohnes, das spürte man. Und er schmiegte sich an Mareen als wären sie frisch zusammen. Und voller Träume. 

 

Wir mussten abbrechen. Marcel brauchte eine Pause von seinem „Hausrundgang mit Kamera“. Er hielt sich an Mareen fest, sie hält ihn. Sie gibt alles. 

 

Ihr Sohn spielte noch etwas, zeigte mir jeden Winkel seines Kinderzimmers, bevor wir den Rest des Hauses erkundeten. Der Kleine ist ein glückliches Kind, unbeschwert, verspielt. Das erleichterte mir die Arbeit ungemein. Irgendwie habe ich dennoch das Gefühl, dass er sehr behutsam mit seinem Vater umgeht und sich schon in diesen frühen Lebensjahren bewusst ist, dass dieser seine Pausen braucht. 

 

Nach den Aufnahmen zu dritt gehe ich mit Mareen und dem Kleinen in den Garten, in dem im Sommer ein wunderschöner Süßkirschbaum steht, unter dem sie gerne gemeinsam sitzen, wenn das Wetter schön ist. Der Junge füttert die gackernden Hühner im Stall, spielt mit den frischen Pfützen, genießt das Landleben. 

 

Wieder im Hause angekommen feuerten wir den Kamin etwas an, damit es etwas wärmer im Raum wird für Marcel. Und wieder sehe ich Marteria im Regal. Seine LP „Lila Wolken“. Ein Song heißt „Bruce Wayne“, in dem Song gibt es ein Zitat, welches ich sehr passend finde: „Ich wette keiner hier glaubt mir das. Als hätt' ich's mir ausgedacht. So als wär' ich nie aufgewacht. Alles nur ausgedacht.“. 

Auf der Rückfahrt zum Bahnhof sagte Mareen „Ich wünschte, ich wache bald auf und alles war nur ein Traum.“. Ich wünschte es auch so sehr für die beiden. 

 

Furchtlos. 

 

Mit einem wohlig warmen Gefühl steige ich in die Bahn und freue mich darauf, sie bald wieder zu besuchen. Vielleicht im Sommer, wenn die Kirschen süß sind, der Baum einen großen Schatten wirft.

Vielen herzlichen Dank liebe Lizzy für Deinen wundervollen Einsatz und die schönen Bilder! 

 

Wir wünschen der Familie vom Herzen ganz viel Licht! 

 

Memories for Families Team

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