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Erinnerungsbilder im Krankenhaus? Ja, es ist auch möglich!

06.07.2017

© Fotograf - Karolina Krausser Fotografie

 

Unsere liebe Fotografin Karolina Kraußer hat eine krebskranke Mama und ihren fast 5-Jährigen Sohn im Krankenhaus begleitet und ihnen wertvolle Erinnerungsbilder geschenkt. Karo berichtet uns über ihre Art der Fotografie und die Erfahrung bei ihrem ersten Einsatz für Memories for Families:

 

"Als ich vor einigen Wochen vom Initiatorenteam gefragt wurde, ob ich bei Memories for Families mitmachen möchte, habe ich nicht lange gezögert und nachdem ich erfahren habe, worum es geht, sofort ja gesagt.

Ich bin Familienfotografin geworden, weil Familienbilder für mich sehr wichtig sind. Alles, was einem bleibt, wenn der andere geht, sind Erinnerungen. Leider nicht an alles kann man sich später erinnern. Zeit vergeht, Erinnerungen verblassen, was bleibt, sind Fotos. Ich möchte die Erinnerungen gemeinsam mit euch schaffen, ich möchte eure Geschichte erzählen, denn ich glaube, es gibt kaum was Schöneres als sich irgendwann zusammenzusetzen, eine alte Box mit Fotos, ein Fotoalbum rauszuholen und die Erinnerungen hochkommen zu lassen und die Geschichten hinter diesen Fotos zu erzählen. Erinnerungen an eurem gemeinsamen Sonntagsfrühstück, erster Schwangerschaft, Einkaufen für euer bald neugeborenes Kind, die ersten Tage mit eurem Kind, Familienausflüge, Geschichtenlesen vorm Zubettgehen, Abhängen mit euren besten Freunden, aber auch die Momente dazwischen, Berührungen, Blicke, Kuscheln, zusammen Lachen, Weinen und, und, und. Es gibt unendlich viele Augenblicke, Phasen in eurem Leben, die sehr schnell vorbeigehen, die man schnell vergisst, an die man sich später gern erinnert und die es wert sind fotografisch festgehalten zu werden.

 

Mein erster Einsatz für Memories for Families kam schneller als ich dachte. Es hieß, es ist dringend. Der Mama geht es nicht gut. Sie liegt im Krankenhaus. Nach einer fast abgeschlossenen Brustkrebsbehandlung wurden Metastasen im ganzen Körper festgestellt. Diagnose: die Ausbreitung ist nicht mehr aufzuhalten, niemand weiß, wie viel Zeit noch bleibt. Sie möchte aber trotzdem oder auch gerade deswegen Erinnerungsfotos mit ihrem fast 5-jährigen Sohn haben. Als ich es gelesen habe, bin ich zuerst etwas in Panik geraten, dann kam tiefe Trauer, Zweifel und sehr viele Fragen. Bin ich die Richtige dafür? Wie soll ich mich verhalten? Was darf ich fragen? Worüber sprechen? Ich wollte nicht besorgt oder übertrieben (künstlich) gut gelaunt wirken, damit mir die Mama nicht ansieht, wie traurig ich in der Wirklichkeit war. Dann habe ich mich dazu entschieden, einfach meinen Job zu machen, d. h. das schönste und wertvollste Geschenk der Familie zu geben, wie Erinnerungsbilder.

 

Eine sehr große Unterstützung war für mich einerseits Olga Slach, deren es ähnlich ging als sie ihren ersten Einsatz hatte und mir Mut gemacht hat und Valentina Sico, eine wunderbare, warmherzige, immer mit einem Lächeln im Gesicht Visagistin, die mit mir diesen Einsatz meisterte. Die Mama hat sich gewünscht für das Shooting professionell geschminkt zu werden. Ich habe Valentina gefragt, ob sie Zeit und Lust hätte, mitzumachen. Sie war sofort dabei!

 

Als wir das Zimmer betraten, wurden wir von einer wunderschönen Frau mit einem strahlenden Lächeln begrüßt. Der fast 5-jährige Sohn, wie jedes Kind in dem Alter, hat Quatsch gemacht, auf dem Bett gehüpft, gespielt, die Mama geärgert. Die ganze Anspannung war wie weggezaubert. Nach einer kurzen Kennenlernphase, habe ich mit den Fotos losgelegt. Ich wollte alles für die Familie festhalten. Und das habe ich auch getan. Von den Vorbereitungen, über den Spaziergang in den nahgelegenen Park, Berührungen, Umarmungen bis zu der Rückkehr ins Zimmer. Ich habe eine sehr starke, selbstbewusste Frau erlebt.

 

Auf dem Rückweg im Auto haben wir nicht mehr viel miteinander gesprochen. Valentina und ich waren mit den Gedanken weit weg. Ich bei meinen Eltern, die viel zu weit entfernt von mir Wohnen, die ich deswegen viel zu selten besuchen kann und die ich sehr vermisse.

 

Erst zu Hause habe ich geweint.

 

Ich bin sehr froh, dass ich der Familie das Geschenk machen konnte, sehr froh, dass ich bei Memories for Families mitmachen darf. Das macht mich glücklich.

 

Ein großer Dank an Valentina, die super spontan war, in kürzester Zeit eine Babysitterin für ihr Kind organisiert hat, um der kranken Mama Ihren Wunsch zu erfüllen. DANKE! Du bist die Beste!

 

Alles Liebe,

Karo"

 

 

Wir bedanken uns recht herzlich bei Karolina (www.karolinakrausser.com) und Valentina (www.valentinasico.de) für ihr tolles Engagement und bei der Rexrodt von Fircks Stiftung (www.rvfs.de), die uns den Kontakt zu der betroffenen Mama ermöglicht hat. 

 

 

 

 

 

 

 

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